Montag, 1. März 2021

Rseilienzen? - Diskussionsrunde mit Stefanie Graefe und Kilian Jörg (5.3.2021, 18h - via ZOOM)

This Friday I will have a public discussion I am especially looking forward to. Stefanie Graefe, author of "Resilienz im Krisenkapitalismus" and me will try to discuss the difficult aspects, political problems and at the same time the lure of the booming concept of resilience. Stefanie and me come from quite far apart backgrounds and approaches, however, we both feel that we are intuitively touching something very similar in our approaches. We will try to sort this out a little more concretely in front of a live-audience this Friday in Berlin's Antiquariat Kalligramm - you can watch us and join the discussion via ZOOM (find the link below).


Resilienzen? von Stefanie Graefe und Kilian Jörg

Der Begriff der Resilienz hat in den letzten Jahren und Monaten eine rasante Ausbreitung erlebt - von Ökosystemen über Gesellschaften bis hin zu Psychen, Arbeitsverhältnissen, Gesundheitssystemen und Beziehungen erwartet und erforscht man eine möglichst hohe Resilienz. Diese Perspektive erscheint vielen in einer Zeit, die geprägt ist von zunehmender Prekarisierung und Erosion von Lebenswelten bis hin zu Lebenserwartungen wie ein epistemo-politischer Königsweg zum Verstehen einer unüberschaubaren und sich diffus verhärtenden Dynamik.
Doch was sind die stillschweigenden Voraussetzungen des Resilienzbegriffs? Was für Grundannahmen über (Um)welt, Staat, Gesellschaft und Selbst kaufen wir unhinterfragt ein, wenn wir uns einer Stärkung der Resilienz verschreiben?
In einer Diskussionsrunde wollen die Autor*Innen Stefanie Graefe und Kilian Jörg diese Resilienzen auf mannigfaltige Weisen beleuchten, kritisch hinterfragen und vielleicht sogar affirmativ wenden. Sie wollen untersuchen, warum das im Vergleich zu Irrationalismus und Verschwörungstheorien so offenkundig Vernünftige der Resilienz zugleich ein Problem darstellt - und unter welchen Bedingungen eine kritische Aneignung von Resilienzen denkbar wird.

Stefanie Graefe ist Autorin des Buches "Resilienz im Krisenkapitalismus" (transcript 2019), Kilian Jörg ist Autor*In des Buches "Backlash - Essays zur Resilienz der Moderne" (Textem 2020).



Dienstag, 23. Februar 2021

"Wie wir uns dem Rückfall entziehen!" - Rezension meines Backlash-Buches auf parallax

Es hat - aufgrund coronaler Wirrungen - ungewöhnlich lange gedauert, aber es ist nun endlich die erste Rezension meines Buchs "Backlash - Essays zur Resilienz der Moderne" erschienen.

"Was interessiert Viren und Bakterien, die auch nach einem Weltuntergang (realer, nicht religiöser Art) ihren Platz in der Ökologie unseres Planeten finden werden, eine Identität als alter weißer Mann oder als umweltbewusster, aber fremdenfeindlicher Volkskernmann, der sich gegen die eigene Bedeutungslosigkeit auflehnt, dafür ihm nicht genehme Lebensentwürfe und Herkünfte nicht nur diskreditiert, sondern diffamiert, in dem Glauben, dadurch an Lebensqualität und Planetenzeit zu gewinnen? Kein Stück. Sie laben sich am verendenden Leben und bauen aus der gefallenen Zivilisation eine neue Umwelt. Jörg erkennt dies und fordert einen neuen Experimentierraum, in dem eben ein Vorwärtssprung und nicht ein Rückfall möglich wird. [...] Den Anker werfen wir zu den Gefährten rüber, die unter Wagemut eben nicht Ausbeutung verstehen, sondern die gemeinsame Reise, auch durch unwegsames Terrain. Wenn die Zeit immer knapper wird, dürfen wir das Ausprobieren nicht aufgeben."

Die Rezension könnt ihr hier lesen...

...und das Buch am besten hier kaufen. 

Montag, 15. Februar 2021

Denkkollektiv #5 – touched - 16.-20.2.2021 at im_flieger Vienna


Our research cluster Stoffwechsel - Ecologies of Collaboration is inviting you to it's fifth thought-collective - due to the ongoing corona lockdowns and massive restrictions for cultural production, you can unfortunately only visit us online next Saturday....

Denkkollektiv #5 – touched

Berührung bedeutet sich körperlich und geistig in einem Gefüge zu verorten und sich auf Menschliches und Nichtmenschliches zu beziehen. In Berührung liegt die Möglichkeit zu kontaktieren aber auch – und vielleicht noch mehr – kontaktiert zu werden. (Wer/Was berührt wen oder was?)

Berührung ist nicht immer sichtbar und touch und being touched finden auch – und vielleicht noch mehr – im Verborgenen statt.

Auf welche Weisen können wir in pandemischen Zeiten berühren und berührt werden, wenn geplante, gewohnte und zufällige zwischenmenschliche Berührungen und Begegnungen wegfallen? Welche Alltagspraxen hat die Pandemie dazu hervorgebracht? Haben Augenkontakt, Formen sprachlicher Berührung oder Self Touch an Relevanz gewonnen?

Welche Bedingungen braucht es grundsätzlich, um für Berührung offen zu bleiben … ?

 

Das Denkkollektiv #5 – touched ist Teil des transmedialen Forschungsprojektes Stoffwechsel – Ökologien der Zusammenarbeit.

www.stffwchsl.net

 

 

Sonntag, 14. Februar 2021

Postcoronale Schambereiche & die hilflose Huldigung der Apparate


Ich habe mal wieder zwei Texte zur und um die Corona-Krise publiziert.

In der Fiktion "Postcoronale Schambereiche" halluziniere ich mit Johannes Kaminski über die dystopischen Folgen der Maskenpflicht in einer Zeit ökologischer Prekarität und allgemeiner Verunsicherung.

"Robert war draußen, bei den echten Menschen in der harten Realität aufgewachsen, wo man noch mit den eigenen Nasenlöchern atmete. Nur die Arkologist*innen verdeckten Mund und Nase bereits ab der Geburt, teilten nicht einmal mit der eigenen Familie ungeschützt die Atemluft. Er aber träumte noch immer davon, ungefilterte Luft zu atmen, die heiß in die Nebenhöhlen steigt. Manchmal stand er im kühlen Labor und hatte auf einmal den Geschmack von Sand auf der Zunge."

https://skug.at/postcoronale-schambereiche/

Im Essay "Die hilflose Huldigung der Apparate" (so mein Originaltitel, den die Berliner Gazette für ihre Linie passend umgewandelt hat) argumentiere ich das folgende:

"Die Coronakrise führt uns diese Problematik des Apparats, an den sich das post-post-moderne Leben schon scheinbar gewöhnt hat, in neuer Virulenz vor Augen. Es lässt sich zwar einfach beziffern, wie viele Menschen in einem Land Covid-19 positiv getestet wurden und damit (nicht zwingend daran) gestorben sind. Der Apparat kann mit dieser monokausalen Engführung funktionieren und der Gesellschaft seine Logiken aufzwingen. Eine Zusammenführung aller Problematiken und Schäden, die durch die Coronarestriktionen entstehen und die psychologischen, sozialen, sexistischen, kulturellen und wirtschaftlichen Langzeitfolgen mit einschließt, ist jedoch keineswegs in einer einfachen Zahlenrelation darzustellen und fällt daher aus dem Blickfeld einer in Apparaten organisierten Gesellschaft."

https://berlinergazette.de/krise-gesundheitssystem-apparate-kritik/

Mittwoch, 10. Februar 2021

Toxic Temple @ Ö1 Kunstradio this Sunday, 14th of February

 

 
 Toxic Radio

Anna Lerchbaumer and me have been invited to produce one audiopiece for Ö1 Kunstradio. It will premiere this Sunday, the 14th of February, at 23h. You can listen to it live here or anytime afterwards on kunstradio.at.
 

Aufbauend auf der Recherche rund um das multimediale ongoing project „Toxic Temple“ wollen Anna Lerchbaumer und Kilian Jörg die Verbindung von Spiritualität und Toxizität akustisch und poetisch für‘s Format des Ö1 Kunstradios ausloten.

Inmitten von menschengemachten und alles betreffenden Katastrophen planetarischen Ausmaßes sehen wir uns in der Lage, die Ereignisse mit Hilfe von technischen Geräten aufzuzeichnen und zu dokumentieren. Der Ökollaps entzieht sich zunehmend unserem Fassungsvermögen, dafür zerstückeln wir ihn in leicht konsumierbare mediale Häppchen kodiert in Radiowellen, Binärcodes und Stromimpulsen. Ohne genau zu wissen, was wir tun können, benennen wir unseren katastrophalen Zustand mit abstrakten Begriffen wie „planetare Auslöschung“ und „globaler Klimawandel“. Die Zahlen und Daten sind im Übermaß vorhanden, der sinnliche Bezug fehlt allerdings oftmals.

Kann man die Erderwärmung im Rauschen der Klimaanlage hören? Was sagt das stetige, aber nicht monotone Brummen des unsere Moderne antreiben Stroms über unsere prekäre Lage globaler Vernetztheit? Die 50 Hz als Hymne der Moderne? Verbringt sich im Knittern des alleinsetzbaren Plastiks eine übermenschliche Transzendenz? Das periodische Aussterben der terrestrischen Biomasse als Antrieb für kurze, technologieschwere Modernen?

Wie kommuniziert sich die übermenschlich lange Katastrophe? Wie wird sie medial portraitiert? In Fieldrecordings, Cut-Ups aus Medienberichten, Gedicht-Gebeten an das Gift, das Öl, das Plastik und den Atommüll sowie Aufnahmen von ihrer Funktion befreiter Maschinen loten wir aus, wie es sich unterhalb der glatten Oberfläche der Moderne anhört. Ein Spekulieren über die Sprache in der Black-Box, eine Umdrehung der Zeithorizonte und Werteskalen der Moderne: inwiefern kommiuniziert das uns überlebende Toxische an ein menschliches Jenseits? Wir examinieren die Maschinen und modernen Konsumartikel abseits von ihrem kurzen Auftritt auf den Bühnen des globalen Kapitalismus: von der geologischen Entstehung ihrer Grundressourcen, deren Abbau und Ausbeutungsverhältnissen, bis hin zu den Recylclinghöfen und Müllhalden als Vorboten der „Anthropozän“-Schicht. Eine akustisch-spirituelle Exkursion in mannigfaltige Grenzgebiete der unter Strom stehenden und sich auf die Erdschichten abdrückenden Menschenwelt.


 
 

Mittwoch, 16. Dezember 2020

new text on the Corona pandemic: "Der dritte Weg"

In der öffentlichen Diskussion über die Covid-19 Pandemie und die Eindämmungsmaßnahmen haben sich schnell zwei unvereinbare Fronten herausgebildet. Zwischen dem eifrigen Befürworten staatlicher Eingriffe und dem wirren Verschwörungsamalgam der Zweifler*innen und Leugner*innen scheint es kaum Platz für eine kritische Auseinandersetzung zu geben. 

In meinem vorgestern in der Berliner Gazette erschienen Text "Der dritte Weg: Warum eine differenzierte Kritik der “Corona-Maßnahmen” gerade jetzt wichtig ist" versuche ich jenseits der Polarisierung der Komplexität der Lage treu zu bleiben. Im Zwischen von Panischer Überreaktion und zynischer Negation widme ich mich fragen wie:

Was ist Übersterblichkeit?

Hätte eine "Jahrhundertpandemie" bisher eigentlich besser laufen können? 

Was für Probleme entstehen durch eine Verwechslung von Gefahr und Risiko, Infektion und Erkrankung?

Inwiefern ist die "Impfung" eine Auswuchs promethischer Technikgläubigkeit und ihrer naiven Blindheit gegenüber Umweltfolgen?

https://berlinergazette.de/warum-wir-eine-differenzierte-kritik-der-corona-massnahmen-brauchen/

Dienstag, 8. Dezember 2020

Miniature inspired by Max Kolten's "be a real man"

I was already afraid that - due to the Covid-restrictions that hit the cultural sector over-proportionally and unfairly hard - this exhibition will never be allowed to open it's doors. However, you can now see the exhibition "THE WILL TO CHANGE" curated by Alexandra-Maria Toth at New Jörg until the 18th of December! The exhibition invited the artists Ed Fornieles, Gašper Kunšič and Max Kolten to think about masculinities from various angles and I was invited to write a text of free form in dialogue with Max Kolten.

 
His exhibited work - consisting of metal sculptures and drawings - reflects on misogyny and racism within gay scenes. This is a topic which interests me at least since I worked on my book about Berghain and our exchange about the topic was very inspiring to me and I am quite happy with the little miniature text I subsequently wrote for the exhibition's publication. 
 
"When things seemed to get out of control, he made jokes and blamed the women on his stuff, saying they were simply too emotional under stress. These little quips worked – as intended – to lighten up the atmosphere. The women got more silent and efficient and he felt less stressed when he put the blame on others. So, progressively, he integrated this behavior as his usual demeanor in work hours (and there weren’t really many other hours in his life to be honest). It made things much easier. Especially the women from the far-off-country put him much less under stress since he stopped trying to always be concerned and serious with them – and instead lightened up the atmosphere with his mocking demeanor. He saw it as one of the values of his wonderful country he could teach them: to not be too uptight about roles and posts."

 You can find the full text at the exhibition, in the publication or online here

 
All the images in this post are of course from the magnificent work of Max Kolten, whom I thank gratefully for our exchange and the permission to post his work.