Dienstag, 13. Dezember 2022

"Was können wir von der pandemischen Abstandskultur für den Umgang mit der Öko-Katastrophe lernen?"  

"Wann wird eine kompromisslos und unabdingbar vorpreschende Haltung zum Problem? Wieviel Filterarbeit und Blasenbildung braucht ein effizienter Aktivismus? Und wann und wie kann Sich-Raushalten nicht als stillschweigendes Einlenken mit der furchtbaren Norm, sondern als notwendiges Fokussieren und Konzentrieren der Kräfte für den Kampf um Veränderung verstanden werden?

Grundannahme einer hier tentativ skizzierten Ethik einer Neuen Vorsicht ist, dass es das Bedürfnis nach Desinvolvierung stets und in egal welchem politischen Lager gibt, es bislang aber noch kaum gelungen ist, dieses Bedürfnis auf einen progressiv-emanzipatorischen Begriff zu bringen."
 
Ich durfte einen kleinen Aufsatz über mein neues Buch Neue Vorsicht - Philosophie des Abstands im Zeitalter der Katastrophen in der Berliner Gazette veröffentlichen. Man kann ihn hier nachlesen
 
--> übrigens kann man auf der Homepage von Edition Konturen nun das gesamte erste Kapitel des Buchs nachlesen! 

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Wir brauchen Öko-Punks!

"Wirf Spinat gegen Basquiat und Spagetti gegen Giacometti."
 
 
Nach meinem Vortrag in Innsbruck zu "there is no rave on a dead planet" und dem für mich sehr inspirierenden Austausch mit einer paar spannenden Leuten der ErdeBrennt-Bewegung, habe ich ein paar Gedanken zu Subkultur und Ökologie niedergeschrieben, die nun in der TELEPOLIS erschienen sind.
 
"Aktivisten der Letzten Generation pfeifen auf die Vernunft der Mehrheitsgesellschaft und sind damit vielleicht auf der Spur einer wichtigen kulturellen Innovation." "In der Gesellschaftsordnung des liberalen Kapitalismus ist es gleichzeitig vernünftig, ein akademisches Paper über die katastrophalen Auswirkungen von fossilen Brennstoffen zu veröffentlichen und seine Pension durch das Investieren bei Shell und Gasprom zu sichern."
 
Zu selten denke ich zwei meiner Forschungsinteressen - die ökologische Katastrophe einerseits und Subkulturen andererseits - gemeinsam. Hier ist mir das mal wieder gelungen. Ich glaube, dass öko-aktivistische Strömungen zur Zeit das Potential haben / sich gedrängt dazu fühlen, die herrschende Vernunft zu verweigern. Dies birgt natürlich viele Gefahren, doch wenn man es richtig framed, birgt es ebenso großes Potential. Denn mit einer Verweigerung der herrschenden Vernunft hinterfragt man auch die hegemoniale Triade von Wisschenschaft-Natur-Vernunft und ihr koloniales Erbe. Damit würde sich die bisher zu meinem großen Leidwesen theoretisch eher unterreflektierte Öko-Aktivismus-Szene an andere Diskurse und Kämpfe intersektional anschließbarer machen und so einige blinde Flecken ihrer vielfach weißen Priviliegien reflektieren können. Es ist meines Erachtens also Zeit, die Öko-Aktivsmus-Szene theoretisch besser zu informieren - "Wir wollen die Natur beschützen" ist nicht mehr genug. Stattdessen werfen wir lieber Tomatensauce auf allgemein anerkannte Kulturschätze und wiederholen die Rufe aus den französischen ZADs: "Wir verteidigen nicht die Natur, wir sind die Natur, die sich verteidigt."